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Artikel | Werkstatt Kultur - Gestalte deine Bühne

08. Januar 2026

von Katrin Fiedler | Nov. 2025 | dreizehn. Zeitschrift für Jugendsozialarbeit, Heft 34 2025

Wie entwickeln Jugendliche verschiedenster Herkunft in Erfurt durch Theater ihre Sprache, Selbstvertrauen und ein Gefühl für Gemeinschaft?

Die Uhr über dem Eingangsportal der Ernst-Benary-Schule in Erfurt tickt nicht mehr. Ihre Zeiger stehen still, als hätten sie beschlossen, dem Lauf der Zeit zu trotzen. Doch drinnen bewegt sich etwas. Rund 1 000 Schüler*innen lernen hier – manche stehen kurz vor der Ausbildung, andere wollen ihren Schulabschluss schaffen. Ihre Ziele sind verschieden, ihre Träume groß.

Einer von ihnen ist Atila, 17 Jahre alt. Der Schüler ist mit seinem Vater vor mehr als einem Jahr aus dem Iran nach Deutschland gezogen. Atila nimmt an der Werkstatt Kultur teil und wird in den nächsten Wochen bis zur Aufführung des selbst er arbeiteten Stücks mit anderen Schüler*innen aus verschiedens
ten Ländern in der Aula die Bühne gestalten. Er wird neben den anderen auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“, stehen und spielen – und sprechen: in deutscher Sprache. Denn das ist das Ziel dieser Übung, und dafür ist der Jugendliche zeitig aufgestanden.

Es ist acht Uhr morgens, als er als Erster den großen Raum betritt. Noch sind die Stühle leer, die Luft ist kühl. Atila lächelt verschmitzt, als Markus Schneider und Ulrike Jakob vom Landesverband Kulturelle Jugendbildung Thüringen e. V. (LKJ) das Arbeitsmaterial sichten: Zettel, Stifte, einen Aufsteller. Wenig später füllt sich der Raum mit Leben: Jugendliche aus Syrien, Eritrea, Guinea, Afghanistan und anderen Ländern rücken die Stühle zurecht, flüstern, lachen, begrüßen sich und
bringen ein Stück bunte Welt.

Dann geht es los. „Ha! Ho! Hi!“, tönt es durch die Aula. Hände schnellen in die Höhe. Körpereinsatz und Reaktionsfähigkeit sind gefragt. Das Spiel hat es in sich. Jeder Einzelne reagiert konzentriert – so gut, wie es der Morgen für die Jugendlichen (manche sind noch etwas verschlafen) zulässt. Wer zu spät ist, scheidet aus. Und das kann auch schon mal die Lehrerin oder der Sozialpädagoge sein. Dann erfüllt das Lachen die Aula besonders laut. Es ist kein klassischer Unterricht, sondern eine Theaterwerkstatt – und doch lernen alle hier etwas Wesentliches: deutsche Sprache. Ohne Hemmung, ohne Notendruck.

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Den ganzen Artikel gibt es beim Magazin dreizehn ab Seite 28 zu lesen.